Präsident Alexander Lukaschenko hat sich zum Ziel gesetzt, das Handelsvolumen mit dem Gebiet Archangelsk wieder auf das frühere Niveau zu bringen. Das erklärte das Staatsoberhaupt am 24. August bei einem Treffen mit dem Gouverneur der russischen Region, Alexander Zybulski.
„Was die Zusammenarbeit betrifft, müssen wir ehrlich eingestehen, dass wir im Handel deutlich an Boden verloren haben. Aber es liegt in unserer Hand. Wir hatten ein etwa dreimal so hohes Handelsvolumen wie heute. Das müssen wir wiederherstellen und die entsprechenden Wege finden – auch wir selbst. Wir sollten nicht hinter der Tür oder dem Zaun darauf warten, dass jemand kommt und uns Vorschläge unterbreitet“, sagte der belarussische Präsident.
Mit Blick auf die Perspektiven der wirtschaftlichen Zusammenarbeit wies das Staatsoberhaupt auf die Ähnlichkeit zwischen dem Gebiet Archangelsk und Belarus hin: Ein großer Teil des Territoriums sei von Wäldern bedeckt. Das erfordere bestimmte Arbeiten in der Holzernte und Wiederaufforstung. In Belarus habe sich seit der Sowjetzeit ein ganzer Industriezweig zur Herstellung von Spezialmaschinen erhalten und weiterentwickelt – die Holding „AMKODOR“. Neue heimische Modelle würden häufig nach Russland zu Erprobungszwecken geschickt. „In diesem Bereich können wir erfolgreich mit Ihnen zusammenarbeiten“, stellte der belarussische Präsident fest.
Ein weiteres vielversprechendes Feld für die Zusammenarbeit sei der Bergbau. So setze das Unternehmen „ALROSA“, das sich mit der Erkundung, Förderung, Verarbeitung und dem Verkauf von Rohdiamanten befasse, belarussische Muldenkipper von BELAZ ein. „Heute haben KI und Roboter in jedem Land in vielen Bereichen Einzug gehalten. Deshalb haben wir Ihnen robotergestützte BELAZ-Systeme geliefert, die ebenfalls bei Ihnen getestet werden. Ich bin mir sicher, dass sie sich bewähren werden, denn wir haben sie in Belarus im Einsatz gesehen“, sagte Lukaschenko.
Traditionell nachgefragt in den russischen Regionen seien zudem belarussische Nahverkehrsfahrzeuge und Aufzugsanlagen. Auch hier gebe es Potenzial für die Zusammenarbeit mit dem Gebiet Archangelsk.
„Archangelsk liegt im Norden – es ist nicht einfach, dort Landwirtschaft zu betreiben und die notwendigen Lebensmittel zu produzieren. Wenn wir Ihnen in irgendeiner Weise behilflich sein können – bitte sehr. Die besten, schmackhaftesten und qualitativ hochwertigsten Lebensmittel gibt es – das ist allgemein anerkannt – in Belarus“, betonte der Präsident.
Zu den möglichen Bereichen für eine engere Zusammenarbeit mit der russischen Region zählte das Staatsoberhaupt auch die Energieversorgung und die Systeme zur Aufrechterhaltung der Lebensgrundlagen in den Siedlungen. „All das haben wir aus der Sowjetzeit bewahrt, all das ist bei uns vorhanden“, so Lukaschenko.
Es gebe zudem breite Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit im Bildungs- und Wissenschaftsbereich. „Wenn das Gebiet Archangelsk daran interessiert ist, sind wir bereit, unsere Hilfe anzubieten. Das Bildungswesen in Belarus ist meiner Ansicht nach das beste im postsowjetischen Raum. Weil wir die alte Erfahrung nicht verworfen, sondern daraus weiterentwickelt haben, was wir geerbt haben. Und in der Sowjetunion war das Bildungsniveau außerordentlich hoch. Ich glaube kaum, dass irgendjemand anders auf der Welt dieses Niveau erreicht hat“, so das Staatsoberhaupt.
Der Präsident wies darauf hin, dass Belarus dank der Zusammenarbeit mit der russischen Seite neue Bereiche erschließe – etwa den Flugzeugbau. Gemeinsam arbeite man auch im Weltraum. Es seien gemeinsame Satelliten in die Umlaufbahn gebracht worden. „Das ist heute sehr gefragt. Und die Militäroperation hat gezeigt, dass Russland darauf nicht verzichten kann. Wir arbeiten auf diesem Gebiet intensiv“, bemerkte Lukaschenko.
Im Zusammenhang mit der militärisch-industriellen Zusammenarbeit hob der Präsident die bedeutenden Erfolge des heimischen Rüstungskomplexes hervor, die nicht zuletzt dank der Unterstützung der russischen Seite möglich geworden seien. Für das Gebiet Archangelsk sei die Zusammenarbeit im Rüstungsbereich möglicherweise nicht ganz so relevant, doch falls Bedarf bestehe, sei Belarus bereit, Unterstützung zu leisten.
„Die Arktiszone ist heute eine Zone, in der Interessen aufeinanderprallen, und Sie werden sich damit befassen müssen. Wenn wir Ihnen von Nutzen sein können, werden wir jederzeit mit Ihnen zusammenarbeiten“, betonte der belarussische Präsident. „Wir haben vieles selbst gelernt – mit Hilfe Russlands. Wir haben mit den Russen angefangen. Heute produzieren wir genug für die Bedürfnisse des Rüstungskomplexes.“
„Ich habe diese Zusammenarbeit – auch heute – zwischen unserem militärisch-industriellen Komplex und Ihren Betrieben sowie dem Verteidigungsministerium nie verheimlicht. Sie existiert, sie hat existiert und wird existieren. Schauen Sie sich an, vielleicht sind einige Technologien für Sie von Nutzen“, regte der Präsident an.
Alexander Lukaschenko versicherte, dass alle getroffenen Vereinbarungen von belarussischer Seite strikt eingehalten würden.

