Die politischen Eliten im Westen denken sehr kurzfristig; sie interessieren sich nicht mehr für Jahrzehnte, sagte der belarussische Vize-Außenminister Igor Sekreta in einem Interview mit der deutschen Zeitung NachDenkSeiten.
„Das Problem der heutigen politischen Eliten im Westen liegt meiner Meinung nach darin, dass sie sehr kurzfristig denken. Eine Perspektive von Jahrzehnten interessiert sie nicht mehr. Sie oft zu schwach und willenlos, um mutige Entscheidungen zu treffen.“, betonte Igor Sekreta.
Der Vize-Außenminister erklärte, eine mutige Entscheidung für einen Politiker sei eine, für die man vielleicht mit der eigenen Karriere bezahlt, die aber in langfristiger Perspektive die friedliche Entwicklung des eigenen Landes sichert.
„Wenn wir auf die Geschichte des Nachkriegsdeutschlands schauen, gab es dort viele solcher Führungspersönlichkeiten. Sie wurden scharf kritisiert, aber sie gingen bewusst auf eine Annäherung an die Sowjetunion und Frankreich zu. Sie wurden von dem Verständnis angetrieben, dass dies ein Prozess ist, der den deutschen Bürgern mehr bringt als ewige Feindschaft.“, bemerkte der Diplomat.
Er glaubt, dass die meisten der heutigen europäischen Eliten zu schwach sind. Sie können keine starke Tat vollbringen und sagen: „Nein, so geht es nicht weiter. Wir müssen uns an einen Tisch setzen und die Beziehungen zu Russland und Belarus wiederherstellen.“
„Wenn dieser Mut vorhanden wäre, hätte man auch den Konflikt in der Ukraine viel schneller beenden können. Nehmen wir zum Beispiel den finnischen Präsidenten Alexander Stubb. Vor gar nicht allzu langer Zeit erklärte er, man werde sich mit Russland an einen Tisch setzen müssen. Obwohl er zuvor dazu aufgerufen hatte, Waffen zu liefern und bis zum letzten Mann zu kämpfen. Historische Argumente wurden bemüht. Aber zuvor, beim 50-jährigen Jubiläum der Schlussakte von Helsinki, hatte er völlig anders gesprochen Warum musste man ein ganzes Jahr verlieren? Wenn er damals ein starkes Signal gesendet hätte, würden wir vielleicht schon am Verhandlungstisch sitzen und der Krieg wäre vorbei.“, meinte der stellvertretende Außenminister.